Auf der Treppe sagte ich: »Dem Kerl hast Du hoffentlich nicht das Herz gebrochen?«
Frühling lachte und sagte: »Hast Du den Ring am Finger nicht gesehen? Ich hab nur ein wenig Romantik in sein Leben zurückgebracht.«
Ich sagte: »Du hast also keine gute Meinung über die Ehe? Außerdem sah er  mir nicht so aus, als hätte er auf Romantik gewartet. Ich frage mich, wie viel Ehen Du bisher zerstört hast.«
Frühling sagte: »Das mit den Ehen zerstören, ist eins meiner Hobbys. Allerdings ist es schwerer, durch den Seitensprung des Mannes eine Ehe zu zerstören, als durch den Seitensprung der Frau. Ist das nicht irgendwie ungerecht?«
Zwei Treppenstufend auf einmal nehmend sagte ich: »Das ist auch so ein Ding der Evolution. Als die Menschheit noch mit Knüppel durch Felder rannte um Mammuts zu jagen, pflanzten sich Leute, die nicht eifersüchtig waren weniger oft fort. Den Männern, denen egal war, mit wem ihre Frauen verkehrten, blieb kein eigener Nachkomme.
Schlief eine Frau mit einem anderen Mann, konnte das bedeuten, dass ›Mann‹ Kinder großzog, die nicht seine eigene waren.
Solange jedoch der Mann die Mammut-Schnitzel nach Hause brachte und sie über dem eigenen Kamin grillte, konnten Frau und Kindern egal sein, mit wem er sonst noch ›abhing‹. Verließ er hingegen Frau und Kind für eine Andere, dann war die Existenz in Gefahr.
Noch heute ist es zumindest statistisch so, dass ein Mann einen One-Night-Stand seiner Frau weitaus kritisch bewertet, als eine Frau den ihres Manns. Andersherum bewertet eine Frau es wesentlich kritischer, wenn er mit einer anderen ins Kino geht. Sagt er, dass ›Gefühle‹ im Spiel waren, dann ist die Beziehung ernsthaft in Gefahr.«
Frühling sagte:  »Ich finde es trotzdem unfair.«

Von SackingBob74

1974 in Dorsten geboren, entdeckte man früh das fehlende sportliche Talent des Autors. Über Jahre erlernte er mühsam das Lesen und Schreiben, wobei er mit dem Letzteren immer seine Probleme hatte. Die Lehrer bescheinigten ihm ein hohes Maß an Fantasie und Flexibilität in der Rechtschreibung. Aus den oberen Gründen stand ihm lediglich der Zweig der Naturwissenschaften offen. Sein Werdegang wurde 2008 an Halloween mit einer Promotion in Chemie belohnt. Sein erstes Buch »Niedermolekulare Co-Kristallisation« erwies sich als Ladenhüter (Essener Uni-Bibliothek, wird wahrscheinlich z.Z. im unzugänglichen Keller aufbewahrt). Um eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, beschloss der Autor, das Genre zu wechseln. Seit ein paar Jahren veröffentlicht er in seinem Blog >SackingBob74.de< Geschichten über sich und die personalisierten Jahreszeiten. Er lebt mit seiner Familie in Gladbeck.

5 Gedanken zu „Von Frauen und Männern“
    1. Das ist die Gefahr bei meiner Logik – sie leuchtet ein. Die Blumen dafür müsste ich eigentlich meinem Professor und Doktorvater geben, der mir das so erklärt hat.
      Trotzdem gilt: das ist nur die Statistik. Ich z.B. bin gar nicht eifersüchtig…

  1. Liebender Alexander
    Der eifernde Süchtige Mensch glaubt weder an sich selbst
    Noch vertraut Er seiner Partnerin seinem Partner
    Das Dreiecksverhältnis mit der Angst
    Lässt Anwälte gut verdienen
    Und Kinder verkommen missbraucht zu Komplizen
    Lieben besitzt keine Körper kennt ein Copyrecht
    Und straft Freizügigkeit und Neue Erfahrungen
    Weder mit Hass noch Verachtung ab
    danke
    Dir Joachim von Herzen

    1. Es ist wie immer – die Dosis macht das Gift. Ich glaub nicht, das Eifersucht prinzipiell schlecht ist. Sie wird aber häufig gesteigert bis sie dann zur Krankheit wird.
      Wobei ich das schwer beurteilen kann, denn ich würd mich nicht als eifersüchtig beschreiben.
      Oder sehe ich das falsch?
      Gruß,
      Sebastian

      1. Liebender Sebastian
        Ich sehe und spüre Dich als uneifersüchtig eher eifersuchtsfrei
        Wenn ein Kosmos und jede Beziehung ist ein Mikrokosmos offen ist
        Kann eine Neue Erfahrung außerhalb gesucht werden wenn Sie noch fehlt
        und innerhalb nicht gelebt werden kann
        Wenn das Beziehungsei keine Risse hat kann von außen auch kein
        Befremdender Einfluß hinein wenn ja sind immer beide Partner die Urheber
        Denn wenn Sexus Eros Philio und Agape beidseits erlebt und gelebt sind
        Bedarf Es keiner außerpartnerschaftlichen Erfahrungen
        Wobei seelisches und geistiges sehr intimes Befreundetsein mit Dritten für beide
        lebens und überlebensnotwendig ist
        Wo nicht verödet vertrocknet das Paar
        Eifersucht als solche ist Vorwurf Klammern Exklusivität und Besitzanspruch
        Ich zähle sie zu den mit weit verbreitesten seelischen Erkrankungen
        Diese ist schon bei Kindern und Pferden lachend beobachtbar
        Futterneid Spielzeugneid und sexuelle Alleinnutzungsrechte wirken hier
        Das alles zieht sich ja bis in die Religionskonflikte und die Weltpolitik
        Schlecht ist was Mich schwächt und Dich verletzt
        Ich habe noch keinen gesunden kraftvollen selbstbewussten Eifersüchtling kennen
        gelernt
        lächelnd Du Sebastian
        danke
        Dir Joachim von Herzen

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