Die Uni hatte sich geändert. In den letzten Jahren waren etliche Gebäude neu gebaut worden. In meiner Erinnerung bestand der Campus noch aus einer handvoll kunterbunten Türmen, die von innen nach alten Menschen rochen und deren Baumaterial schon seit einer Ewigkeit aus der Mode gekommen waren. Jederzeit rechnete man damit, dass ein Balkon nachgab und sich nach unter verabschiedete oder dass die Bauten direkt im Höllenloch versanken, in welches sie gehörten.
Zur Erinnerung hatte man die alten Bauruinen stehen gelassen, entkernt und frisch gestrichen – als hätte die neue Farbe den Mauern Sicherheit gegeben. Die neuen Türme standen an die alten gelehnt und stützen sie dadurch.
Herbst ging durch den Tunnel zum Innenhof, den ich als Student unzählige Male durchquerte. Im Zwielicht wirkte er wie einer dieser Steigbügelhalter eines verrückten Professors. Diese Typen, die immer um einen weltbekannten Wissenschaftler herumscharwenzeln, als würde der Ruhm ihrer Vorbilder irgendwann auf sie abfärben. Dabei bemerkten die hohen Herren entweder ihre Schoßhündchen gar nicht oder machten sich einen Spaß daraus, sie auszunutzen und zu erniedrigen.
Herbst hatte sicherlich einige Fehler, sein spießiges Äußeres war nur die offensichtliche Fassade. Für einen Moment bezweifelte ich meinen Entschluss, Herbst im letzten Jahr in mein Leben gelassen zu haben.
Mein Zögern wurde bemerkt und Herbst winkte mir ungeduldig, was mich erneut schaudern ließ. Diese Geschichte würde kein gutes Ende nehmen und ich hatte noch nicht einmal eine Ahnung davor, was überhaupt passieren wird.
Langsam folgte ich Herbst durch den düsteren Tunnel, in eine schmale Pforte, die gleich dahinter angebracht war. Er hielt mir die Tür auf und tippelte mit seinen Fingern auf der Tür, während er auf mich wartete.
Ich sagte: »Warum bist Du so ungeduldig? Du hattest doch Jahrhunderte Zeit, auf diesen Augenblick zu warten.«
Mit einem Schlag fiel die Tür hinter mir ins Schloss. Herbst eilte an mir vorbei zur Treppe.
